Von welcher Qualität sind die Auftritte von Essener Unternehmen
und Freiberuflern im Internet? Um eine aussagekräftige Stichprobe
zu gewinnen, habe ich professionell gestaltete Print-Anzeigen nach
Websiteadressen abgesucht. Die Annahme war, dass dann auch für
die Website entsprechend investiert wurde.
In 10 von 40 Fällen bestätigte sich dies nicht. Übrig blieben 30 Websites aus 30 verschiedenen Branchen, die vom ersten Eindruck her eine professionelle Handschrift aufwiesen. Untersucht wurden Design, Inhalt und Erfolgschancen der Websites.
Da nur professionell aufgemachte Websites in der Stichprobe waren, gab es an der grafischen Gestaltung der Seiten wenig auszusetzen. Am ehesten hakte es bei der Navigation, die bei einer kleinen Minderheit von Seiten etwas unübersichtlich geriet.
Mehr
als 75 % der Websites waren auf eine Bildschirmgröße
von 800x600 Pixeln - die typische 15-Zöller-Auflösung -
ausgerichtet. Obwohl der Anteil der Nutzer mit dieser Auflösung
inzwischen unter fünf Prozent liegt, ist der alte Standardwert
weiterhin legitim – wenn man nicht gerade die Seite linksbündig
anlegt, wie es bei 10 % der untersuchten Websites vorkam.
Animationstechniken wie Flash benutzten 8 Websites, 3 davon waren komplett in Flash gestaltet. Nur eine davon bot ihre Inhalte auch in einer HTML-Version an und berücksichtigte damit das Problem, dass Suchmaschinen Flashdateien nicht auslesen können.
Großer Beliebtheit erfreute sich die Introseite, die in knapp zwei Dritteln der Internetauftritte zum Einsatz kam. Über den Sinn einer solchen Introseite kann man streiten. Meine Meinung dazu ist, dass "Introseiten out sind", da sie nur dem Webdesigner nützen, nicht aber dem präsentierten Unternehmen.
16 von 30 Websites nutzten Frames für die Darstellung der Inhalte. Äußerlich sind Frames meist daran zu erkennen, dass das Navigationsmenue stabil an einer Stelle bleibt, wenn man den Inhalt der Seite nach oben scrollt.
Es
gibt allerdings ein wichtiges Problem bei dieser Technik. Frames brauchen
mehrere HTML-Dateien für die Darstellung einer Seite. Im Normalfall
werden Navigation und Inhalte in getrennten Dateien bereitgehalten.
Suchmaschinen bieten jedoch ihre Links direkt zu den Dateien an, die
der Suchanfrage entsprechende Inhalte enthalten, d.h. es wird direkt
auf die Inhaltsdatei verwiesen. Die Navigationsdatei bleibt außen
- der Nutzer sucht vergeblich nach Möglichkeiten, weitere Informationen
auf der Website anzusteuern.
Dieser für den Eindruck einer Website verheerende Fall lässt sich leicht durch geschickte Programmierung vermeiden, die bei Bedarf die Navigation zuschaltet oder zumindest den Nutzer erstmal auf die Startseite umleitet. Erschreckenderweise hat sich nur einer von 16 Designern die Mühe gemacht, dies zu berücksichtigen.
Zwischenergebnis 1:
Webdesign in Essen heißt viel zu oft, dass der schöne Schein
regiert. Hinter den Kulissen werden Techniken verwendet, die Websites
gut aussehen lassen, aber die Eigenarten von Suchmaschinen als wichtigstem
Besucherlieferanten nicht berücksichtigen und im Extremfall sogar
schädlich für das Ansehen eines Unternehmens sein können
Die Texte machten in der Hälfte der Fälle einen zufriedenstellenden Eindruck. Die andere Hälfte hatte zum Teil äußerst magere Textanteile, bestand aus enervierenden „Wir-Beschreibungen“ oder Schreib- und Satzfehlern.
Ein ähnliches Bild ergab sich bei den persönlichen Informationen auf den Seiten. Knapp die Hälfte der Websites bildete Mitarbeiter ab, benannte Ansprechpartner. Die andere Hälfte war so menschenleer wie ein Behördenflur. Grad der Eigentümer oder Geschäftsführers wurde noch genannt. Zwei Unternehmen legten gar einen völlig anonymen Auftritt hin.
Deutlich
schlechter war es um die Aktualität der Seiten bestellt.
18 Webauftritte hatten keinen Bereich für Neuigkeiten reserviert.
Von den restlichen 12 hielten aber nur 4 Unternehmen ihre Website
mit Aktuellem am Leben. Der Rest brachte bis zu drei Jahre alte Nachrichten
als neuesten Stand.
Zwischenergebnis 2:
Welche Inhalte die Unternehmen hätten anbieten können, ist
als Außenstehender schwer zu beurteilen. Aber die Chance, sich
mit Persönlichkeit aus der Anonymität herauszuheben und
durch Aktualität einen lebendigen Eindruck zu machen, diese Chance
sollte schon genutzt werden.
Damit sind wir beim traurigen Part dieser Untersuchung. Zwar standen immerhin 20 Websites bei der Suche nach der Firma auf Platz 1 der Google-Ergebnisliste, fünf weitere schafften es noch auf die erste Seite, aber die fünf letzten mussten selbst bei dieser einfachsten Aufgabe passen.
Dies
spiegelt sich in etwa im Google-Pagerank (PR) der Websites
wieder. Der PR ist grob gesagt ein Maß der allgemeinen Wertschätzung
von Google für eine Website. Er reicht von 0 bis 10. Knapp 35
% der Seiten waren bei 0 stehen geblieben. Weitere 40 % kamen über
einen PR von 2 nicht hinaus. Der Rest schaffte immerhin einen Wert
von 3 bzw. 5, was darauf hindeutet, dass zumindest etwas Zeit in die
Vernetzung investiert wurde.
Allerdings nicht genug. Letztlich konnte nur ein Unternehmen einen Platz auf den ersten drei Suchergebnisseiten vorweisen, wenn nach der Branche mit dem Zusatz "Essen" gesucht wurde.
Ein Zeichen für den fahrlässigen Umgang mit den Erfolgschancen von Webseiten ist, dass nur 40 % der Seiten durchgängig Metatags enthielten. Metatags enthalten Beschreibungen und Stichworte zum Inhalt, die von Suchmaschinen ausgelesen werden. Sie sind Teil des Dateikopfes und nicht auf der Seite sichtbar. Diese Metatags haben wegen ihrer Manipulierbarkeit keine große Bedeutung mehr. Sie gar nicht einzusetzen, das kann man sich jedoch nur leisten, wenn ansonsten für gute Suchergebnisse gearbeitet wurde. Dies ist hier offensichtlich nicht der Fall.
Was würden Sie von einem Unternehmen halten, das eine Imagebroschüre erstellen und dann im Keller vergammeln ließe? Schön blöd, nicht? Doch genau das ist hier passiert.
Wie konnte es dazu kommen? Haben einige Unternehmen den preiswerten Designstudenten von nebenan beauftragt? Oder haben einige Designagenturen auf Praktikanten gesetzt, um ihre Gewinnspanne zu halten? Ist Geiz also nicht geil, sondern erfolglos?
Vielleicht beherrscht bei Unternehmen und Designern immer noch die Printwerbung das Denken. So wäre es zu erklären, dass knapp zwei Drittel der Auftritte eine Introseite als virtuellen Broschüren-Umschlag enthielten. Auch das mangelnde Interesse für die Aktualität der Auftritte zeigt eine Denkweise, die eine Website analog zur Print-Werbung nach der Publizierung als "fertig" betrachtet.
Und um die Verteilung einer Broschüre muss sich ein Designer auch nicht kümmern, also fühlt er sich für die Website-Promotion ebenfalls nicht verantwortlich. Da in Unternehmen bei diesem Punkt wenig Know-How besteht, bleibt die "Broschüre" halt im Keller liegen.
Hier ist Umdenken gefragt. Statt der Print-Broschüre taugt besser
eine im Beruf erfolgreiche Frau als Vorbild für eine Website:
Sie verlässt sich nicht auf ihr gutes Aussehen, sondern überzeugt
durch Kompetenz und Persönlichkeit. Kunden schätzen ihr
freundliches und hilfsbereites Wesen, und da sie stetig in ihr Netzwerk
investiert, macht ihre Karriere rasch Fortschritte. So hat man auch
Erfolg im Internet. ![]()
Wissenswert:
Warum Introseiten out sind · Gib
Spam keine Chance · Impressum muss
sein · Heilpraktiker im Netz
· Links bring's

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